| Drucken03.11.2001 

Deutschlandpremiere: NOAH TRILOGY Artus Group, Budapest (Steffen Kühn)

03. November 2001 Werk II

11. Euro?Scene Leipzig, Prolog

Deutschlandpremiere ?NOAH TRILOGY? Artus Group, Budapest

Können Sie singen?

Der Verweis auf Noah, den Stammvater einer neuen Menschheit, skizziert den Anspruch und den Umfang des Theaterprojektes der Artus Group aus Budapest. Der von den Künstlern gestaltete Abend (ca. 3,5 Stunden) ist kein Stück im herkömmlichen Sinne.

Schon am Eingang wird deutlich, wie sehr alles von gewohnten Situationen abweicht: Beim Betreten der Halle wird neben dem Namen jedes Besuchers (?bitte in Druckschrift?) ein bewegtes Bildporträt per Kamera und die Stimme per Mikrofon aufgenommen. Dadurch ist jeder sofort irgendwie beteiligt, was besorgte Fragen im Publikum auslöst, wie: ?Können Sie singen?? oder ?Werden wir jetzt immer noch gefilmt??

Doch die Aufregung war umsonst. Der erste Teil verbleibt in der klassischen Zuschauer-Darsteller-Konstellation. Ein Reigen von Szenen umspielt als Thema eine der Grundnotwendigkeiten des menschlichen Lebens: die Kommunikation. Im zwischenmenschlichen Bereich zum Beispiel, wenn sich drei Tänzer in skurrilen Barockkostümen in einer Stammtischszene um Gedankenaustausch mühen, aber letztendlich nur in monologische Gesten und Texte verfallen. Am stärksten sind dabei die Momente, wo Gesten und Gebärden existentiell werden und das Spiel ohne vordergründige Information und Symbole auskommt.

Die Abfolge der szenischen Bilder dieses ersten Teils bestimmt ein Maler intuitiv durch seine auf die Leinwand übertragene Arbeit. Manche Szenen bestehen aus Videosequenzen, in denen die Dokumentationen der Zuschauer und Aufnahmen der bisherigen Szenen montiert werden: eine Art mediale Unterredung, die den Zuschauer doch noch zum Akteur macht. Weitere getanzte Szenen besitzen dann eine sozusagen intrapersonale Natur, wobei das Gesicht zum Spiegel einer Modenschau oder auch verbaler Zwiesprachen wird. Die musikalische Begleitung dazu gibt ein sich zwischen klassischen und sphärischen Abstraktionen bewegendes Streichquartett.

Nach einer Pause mit ungarischem Wein, in der die Bilder der bisherigen Aufführungen präsentiert werden, betritt man mit einer Taschenlampe bewaffnet einen Dunkelraum. Dort sind groteske Tänze und Kostüme zu erleben sowie Texte in drei Sprachen. Der Zusammenhalt geht allerdings langsam und unaufhaltsam verloren. Nach weiterem Wandeln durch dunkle Räume endet das Spektakel schließlich bei Wein und Gebäck. Im Hintergrund wird noch getanzt...


(Steffen Kühn)

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