Franziska Hilde Frank | Drucken02.05.2011 

Und die Moral von der Geschicht …

Wiebke Rüter inszeniert Kästners „Fabian“ auf der Werkstattbühne des Lofft

1931 schreibt der Dresdner Schriftsteller Erich Kästner Fabian – Die Geschichte eines Moralisten, einen, wie es trefflich heißt, satirischen Roman. 2011 entscheidet sich Wiebke Rüter, diese als ihre erste Regiearbeit als Werkstattproduktion im Lofft zu zeigen.

Fabian ist Reklametexter und pfeift auf Geld und Macht. Was soll man auch damit machen? Wozu soll man vorwärts kommen – und wogegen? Das Lebensziel? Zusehen. Denn ist es nicht gleichgültig, ob man etwas tut oder ob man es unterlässt?

Fabian hat sich frei gemacht. Ein Melancholiker, der nicht unglücklicher ist als seine Zeit und dessen einziges Ziel es ist, den Menschen anständig zu machen. Ist nicht das aber ein zu Großes? Irgendwann taucht Cornelia auf, reißt ihn aus seiner Glasglocke, etwas entflammt und wird missbraucht, als Fabian seinen Job verliert. Sein Geld ist weg und sein ehrgeiziger und einziger Freund Labude ohne Vornamen, der die Freiheit verflucht, erschießt sich aufgrund der Lüge eines Witzboldes. Anständigkeit des Menschen? Fabian ertrinkt schließlich in seiner eigenen Badewanne: Es ist der Gang vor die Hunde – wie der Roman ursprünglich heißen sollte.

Eine Badewanne und etwas später viele Koffer. Moritz Gabriels Fabian steht inmitten der engen Bühne, scheinbar Augenkontakt zum Publikum haltend, die Hände in den Hosentaschen, wartend. Eine Geste, die sich oft wiederholen wird, als Zeichen seiner Passivität und seines Unwohlsein. Wenn mal wieder alles nichts hilft, gehen wir eben in ein Etablissement oder die urkomische Swaantje Kleff stakst ein, zwei oder fünf Fläschlein Alkohol herbei, damit auch alles schön bunt wird unter der Glasglocke und sich Carmen Orschinskis schwermütige Cornelia im Saustall recht verloren fühlt. Schrilles Geaffe vom Alkoholteufelchen wechselt mit leisen Momenten zwischen Fabian und Cornelia. Etwa wenn beide bei ihm zu Hause auf dem Badewannenrand sitzen, und sie Angst hat, er könne denken, sie hätte es geplant, so schnell dort zu enden. Auch farblich setzen Rüter und die Ausstattung auf das Gegenspiel von gedeckten und lauten Akzenten um Ernsthaftigkeit und Desillusioniertheit zu brechen. Die lauten Lied- und schnellen, pornoesken Videoeinpielungen dazu wirken aber eher störend und zer-stören, sogar die wenigen leisen Moment, die ohne sie mehr Kraft hätten aufbauen können.

Sehr stimmig ist wiederum die Szene, in der die Koffer immer wieder umgeschichtet werden und den endlosen Gang von Fabian durch das Arbeitsamt versinnbildlichen. Eine Szene, die dem ein oder anderen möglicherweise vertraut ist. Wie es sich gehört, ist die Bühne am Ende chaosgleich, die Badewanne ist mit Wasser gefüllt und Fabian kann vor die Hunde gehen…

Viele Sorgen und Nöte der Generation „Möglichkeit“ spiegeln sich in dieser 80 Jahre alten und dennoch sehr aktuellen Satire wieder. Vermutlich war gerade das der Grund für die Wahl des jungen Teams. Hut ab für diese erste Inszenierung.

Und wie viel Freiheit brauchen Sie?

Fabian

nach Kästner

R: Wiebke Rüter

Mit: Moritz Gabriel, Robin Krakowski, Carmen Orschinski, Max Wex, Swaantje Kleff

Premiere: 19. April 2011, Lofft


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