| Drucken02.02.2008 

Spiel am Abgrund: „leben.lassen” (Anica Klingler-Mandig)

leben.lassen
Connewitzer Cammerspiele
Regie: Julia Lehmann & Sebastian Schwabe
Spiel: Sarah Arndtz, Katharina Bach, Sebastian Schimmel & Joseph Weitenbörner
Premiere: 25. Januar 2008
www.cammerspiele.de


Spiel am Abgrund

Leben.lassen erzählt von einem äußerst ungewöhnlichen Treffen. Zwei junge Leute verabreden sich per Chat zum gemeinsamen Sprung von einem Hochhaus. Die Geschichte ist angeregt von dem auf einer wahren Begebenheit basierenden Stück norway.today von Igor Bauersima. Die Protagonisten sind sich ihrer Absicht zunächst sehr sicher. Da ist zum einen Emma, die sich die pure Freiheit - Freisein von all dem unnützen Ballast auf der Welt - vom Sprung erhofft. Und dann gibt es da noch Felix für den alles nur Fake ist und der einmal in seinem Leben etwas Echtes fühlen möchte. Doch während ihrer Begegnung auf dem Dach des Hochhauses werden ihre Überzeugungen und Anschauungen zunehmend brüchig.

Emma und Felix sind keine Außenseiter. Nein, sie sind mitten unter uns. Das wird gleich zu Beginn der Vorstellung deutlich, wenn die Protagonisten zwischen den Zuschauern sitzen und Emma in das Publikum hineinfragt, ob jemand mit ihr in den Tod gehen möchte. Felix, auf dessen T-Shirt in Großbuchstaben "live" steht, schließt sich kurzerhand Emma an. Die Spieler (Katharina Bach & Sebastian Schimmel) entfalten eine große Präsenz auf der Bühne und erschaffen, oftmals im Zusammenspiel mit elektronischer Musik, einprägsame Bilder. So wird der Kampf am Rande des Abgrunds zu einem rituellen Spiel mit exzessiver Tanzeinlage. Katharina Bach verkörpert in dieser Szene die forschen und resoluten Züge ihrer Figur brillant.

Die frontal zum Zuschauer, im hinteren Bereich der Spielfläche aufgestellte Leinwand bildet eine weitere komplexe Ebene der Inszenierung. Auf ihr bekommt das Publikum Bilder einer Großstadt oder auch ein großes @-Zeichen zu sehen, wodurch der Ort der jeweiligen Szene herausgestellt wird. Darüber hinaus werden die Kameraaufnahmen, auf denen die Protagonisten ihre teilweise sehr komischen Abschiedsreden filmisch festhalten, live auf die Leinwand übertragen. Im Verlauf der Aufführung tauchen auf der Leinwand noch zwei weitere Spieler (Sarah Arndt & Joseph Weitenbörner) auf, die letztendlich als Double der Protagonisten auf der Bühne erscheinen. Umso stärker Emma und Felix an ihren Selbstmordabsichten zweifeln, umso stärker dringt das zweite Paar in das Bühnengeschehen ein. Die Dopplung der Spieler verbildlicht das aneinander Herantasten der Protagonisten und den Einbruch der (Lebens-)Lust auf der Bühne. Es öffnet sich ein Raum für Vertrauen und Sinn, der jedoch immer gefährdet ist. Denn so wie die schwarze Schräge, auf der sich die Spieler während der Vorstellung bewegen, keinen absoluten Fixpunkt bietet, so bleibt auch der Ausgang für Emma und Felix ungewiss.

(Anica Klingler-Mandig)

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