René Seyfarth | Drucken07.02.2008 

Candy-Kino

„Märzmelodie” mit Jan Henrik Stahlberg

Thilo (Jan Henrik Stahlberg) hat Aussetzer, manchmal erinnert er sich einfach nicht. Zum Beispiel daran, dass ihn seine Freundin verlassen hat, und steht dann wieder bei ihr vor der Tür, gibt Küsschen und holt sich routiniert in der Küche etwas zu essen. Anna (Alexandra Neldel) ist Lehrerin und bekommt schon Schüttelkrämpfe, wenn sie etwas hört, was auch nur annähernd wie eine Schulglocke klingt. Die beiden werden miteinander verkuppelt, doch damit nehmen Probleme gewöhnlich erst ihren Anfang: Anna rennt während des ersten Treffens unvermittelt aus dem Restaurant, weil sie ein Geräusch an eine Schulglocke erinnert und Thilo lässt sie ein anderes Mal allein in der Kneipe sitzen, weil er einfach vergessen hat, dass er nicht allein dort ist.

Der Film macht von Anfang an kein Geheimnis daraus, dass er es auf ein Happy End anlegt, und so kann verraten werden: Ja, es ist eine romantische Komödie und am Ende sind alle - nicht nur die beiden Hauptfiguren - glücklich und zufrieden. Natürlich nicht ohne die im Genre zwingend erforderlichen Komplikationen, tragischen Spiralfiguren der Handlung und die Kombination Tränen/Pralinen (Anna) und Kummer/Suff (Thilo).

Das besondere an diesem Film ist die ungewöhnliche Einbindung von Musik. Weder spielen die Lieder aus dem Off, noch werden sie wie in einem Musical von den Schauspielern gesungen, sondern es sind Ohrwürmer und weniger Bekanntes aus der Kuriositätenkiste, die plötzlich in die Szene hineingeschnitten sind und die Schauspieler bewegen ihren Mund dazu, als sagten/sängen sie es selbst. Entsprechend sind alle adaptierten Liedfetzen in das Drehbuch eingepasst. Der Regisseur Martin Walz hat für diese Technik den humbugenden Namen "Melodische Liebeskomödie" gewählt. Aber wie auch immer man es nennen will, der Effekt ist interessant - zuweilen nervig, oft aber auch witzig. Vor allem, wenn der Mut da ist, eine solche Szene etwas länger durchzuhalten, was leider nicht allzu oft der Fall ist und eine einzelne gesungene Zeile platzt doch zuweilen etwas plump und unvermittelt in die Dialoge.

Ganz unabhängig von Drehbuch und Stil, die sicherlich nicht jeden Geschmack treffen, kann man jedoch eines ganz sicher sagen: Die größte Stärke dieses Films ist die Darstellerriege. Alexandra Neldel ist eine ganz wunderbar verstörte Lehrerin. Eigentlich wünscht man sich, dass sie bis zum Schluss im Klassenzimmerterror hängen bleibt, um sich weiter an diesem zum inneren Krampf modellierten Gesicht ergötzen zu können. Bei Inga Busch weiß man spätestens seit Stadt als Beute, dass sie allein schon durch ihre Präsenz wirkt und selbst Gedeon Burkhard, der meist als belanglose Sunnyboyrequisite durch die Kulissen stakste, kann schauspielern! Das wäre alles hochgradig sehenswert, wenn es insgesamt nicht einen Zacken zu süß und lieb geraten wäre.

Märzmelodie

R: Martin Walz
D: Jan Henrik Stahlberg, Alexandra Neldel, Gedeon Burkhard, Inga Busch, u.a.
D 2007 - 96 min.
Verleih: X Verleih

Kinostart: 7. Februar 2008


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