Benjamin Brückner | Drucken27.08.2011 

Die dreidimensionalen Musketiere

Mit Schwertkämpfen, Explosionen und 3D-Effekten ringen D’Artagnan und seine Mitstreiter um den Frieden und die Gunst des Zuschauers. Der neue Kinofilm über die drei Musketiere ist leichte Kost, bei der hauptsächlich das Auge satt wird

D'Artagnan (Logan Lerman) und die Musketiere Aramis (Luke Evans) und Athos (Matthew MacFadyen) (Bilder: Constantin)

„Einer für alle! Alle für einen!“ – kein kommunistischer Leitspruch, sondern der legendäre Ehrenkodex der markigen Musketiere. Der französische Schriftsteller Alexandre Dumas machte die Streiter mit ihren Degen in seiner Romanreihe weltberühmt. Etliche Verfilmungen, auch in der kommunistischen Sowjetunion, folgten. Erstmalig kämpfen die selbstlosen Helden nun in 3D.

Frankreichs Friede ist gefährdet, denn Throninhaber Louis XIII. ist zu jung und naiv, um die Führung des Reiches im Griff zu haben. So wittert der von Christoph Waltz düster verkörperte und machtbesessene Kardinal Richelieu die Chance zum Staatsstreich und intrigiert bei jeder denkbaren Gelegenheit. Und auch Orlando Bloom spielt hier mal nicht den weichgespülten, kantenlosen Gutmenschen, der vergebens seiner zickenden Herzensdame hinterherrennt. Als fieser, englischer Herrscher Buckingham bildet er einen überraschend starken Gegenpol zum durchtriebenen Kardinal.

Mads Mikkelsen als Fiesling Rochefort

Der Musketier-Anwärter D’Artagnan hingegen krawallt noch ungehobelter und arroganter als seine Romanfigur durch den Plot. Diese Eigenschaften sind derart vordergründig, dass der Kontrast zu den drei Musketier-Edelmännern strapaziös streng ausfällt. Allerdings lastet auch nahezu die gesamte Spannung auf seiner Figur, die unberechenbar, respektlos und sympathisch zugleich wirken soll – ein schwieriger Spagat.

Dabei konzentriert Regisseur Paul Anderson sich jedoch weniger auf die Erschaffung realitätsnaher Figuren, sondern erzählt ein großes Abenteuer mit Blick auf hohen visuellen Unterhaltungswert. In Verbindung mit den recht zahlreichen und in ihrer Überspitztheit interessant wirkenden Bösewichten lässt sich so über den Verlust von tiefgründigen Romanebenen hinwegsehen. So hauchen Waltz, Milla Jovovich und Mads Mikkelsen ihren Charakteren mit der Unterstreichung ihrer Eigenarten Leben ein und fördern so die Märchen-Atmosphäre des Streifens.

Ein Highlight: Die Figur Planchet – der tölpelige Diener der Musketiere, dessen Kommentare und Erscheinen auflockern und erheitern.

Der tollkühne Held D'Artagnan (Logan Lerman)

Im Vordergrund stehen allerdings Szenenbild und Effekte. In jedem Moment des knalligen Films erfreut sich das Auge am liebevollen Detailreichtum, den schillernden Farben und den knackigen Animationen. Wem die neue 3D-Technologie zusagt, wird hier voll auf seine Kosten kommen. Ein regelrechtes Effektbombardement hagelt auf den Zuschauer ein. Und auch die Akteure wirken, genau wie die prunkvollen Palasthallen, Stadtkulissen und Luftschiffe, äußerst plastisch, scharf und beeindruckend kostümiert. Was der Visionär James Cameron im vergangenen Jahr an Technikfortschritt zeigte, hat Anderson hier intensiv angewendet.

Die drei Musketiere ist ein wahres Sinnesspektakel. Ausgefeilte Dialoge oder verzwickte Nebenhandlungen sind hier allerdings nicht zu finden. Das Auge wird gesättigt, doch hätten die Charaktere durchaus komplexer ausfallen dürfen. Nichtsdestotrotz ein unterhaltsames und buntes Kinoerlebnis.

Die Drei Musketiere 3D

USA 2011, 109 min
Regie: Paul W.S. Anderson, Darsteller: Milla Jovovich, Orlando Bloom, Christoph Waltz, Til Schweiger

Kinostart: 1. September 2011


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