Vanessa Brust | Drucken17.01.2017 

Auf nach Polynesien!

Der neue Disney-Film „Vaiana“ überzeugt durch zwei starke Hauptfiguren und das hochaktuelle Thema der Toleranz

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Mit Vaiana (rechts) und Maui bringt Disney ein ungleiches Paar auf die Leinwand, das sich im Laufe der Geschichte natürlich zusammenrauft. (Foto: Disney)

Inmitten des Pazifischen Ozeans existiert die fiktive Insel Motunui, auf der die Hauptfigur Vaiana, ein junges polynesisches Mädchen, gemeinsam mit ihrem Stamm lebt. Ihr Vater ist der Chief des Dorfstammes und erhofft sich, dass Vaiana ihm einst folgen wird und die Bewohner vor allen Gefahren beschützt. Zu diesen Gefahren zählt vor allem, sich hinaus auf das offene Meer zu begeben, weshalb dies im Dorf strengstens verboten ist. Schlimmer kann es für Vaiana nicht kommen, da sie das Wasser liebt und sogar mit ihm Kontakt aufnehmen kann, dennoch akzeptiert sie ihre Bestimmung. Der Stamm lebt unter einer traditionsreichen Weltanschauung, welche besagt, dass die Göttin Te Fiti alle Inseln mit Hilfe ihres grünen Herzens erschaffen hat. Der Halbgott Maui, der den Menschen früher durch seine Heldentaten als Formenwandler mit Hilfe seines Hakens ein besseres Leben verschafft hat, wird jedoch habgierig und stiehlt Te Fitis Herz. Daraufhin fangen die Inseln an zuzerfallen. Auch Motunui ist von dem Zerfall betroffen. Daher macht sich Vaiana ohne Einverständnis ihres Vaters auf die gefährliche Mission hinaus aufs offene Meer, um Maui zu finden und gemeinsam mit ihm die Inseln zu retten. Dies kann ihnen jedoch nur gelingen, wenn sie Mauis Haken wiederfinden und Te Fiti ihr Herz zurückbringen.

Disneyfilme sind dafür bekannt, verschiedene Lebensweisen und Werte auf eine leicht verständliche Art und Weise vorzustellen. Auch dieser Film gibt einen weiten Einblick in die polynesische Kultur und Weltanschauung. Der Götterglaube wird im kurzen Vorspiel des Films verständlich dargestellt. Auch weitere Traditionen, wie das Tätowieren oder die Begrüßung durch das Berühren der Köpfe, werden im verlaufenden Film aufgefasst. Besonders humorvoll ist die Szene, in der Vaiana Schweinefleisch probiert und es als lecker empfindet, obwohl sie ein Ferkel als Freund auf Motunui besitzt. Diese sehr zeitgenössischen Anspielungen, vergleichend zum Trend des Vegetarismus und Veganismus und dem Tätowiertsein, welches in der Gesellschaft immer mehr Anerkennung findet, werden dem Zuschauer mit Humor und Raffinesse dargestellt. Diese mitschwingende und als notwendig gezeigte Toleranz gegenüber fremden Kulturen, Religionen und Traditionen, die der Film versucht zu vermitteln, ist vor allem derzeit wichtiger denn je.

Atemberaubend wird der Film vor allem durch seine Animationen der Inseln, des Meeres und des Himmels. Da haben die Produzenten definitiv keine Mühen und Kosten gespart. Die Musik ist durchgängig mit hawaiianischen Klängen angehaucht, wodurch sie das Film-Geschehen passend unterstreicht. Besonders gelungen erscheint mir der Titelsong von Helene Fischer, welcher auch häufiger im Film mit Gänsehauteffekt eingesetzt wird. Als etwas unpassend, aber dennoch gut, ist das Solo-Lied von Maui, da es durch den Jazz-Stil eher aus der Reihe tanzt. Die hawaiianisch klingenden Instrumente heben diesen Stil ebenfalls nicht auf. An sich ein Ohrwurm, aber im gesamten Film betrachtet eher unpassend und weniger disney-typisch. Der Jazz-Stil der neuen Disney-Filmmusiken ist mir bereits negativen im Film Küss den Frosch aufgefallen.

Die Hauptpersonen Vaiana und Maui sind als starke Figuren dargestellt. Vaiana ist ein mutiges, neugieriges und tatendurstiges Mädchen, wodurch sie sowohl für Mädchen als auch für Jungen eine herzliche Heldenrolle einnimmt. Maui besitzt wiederum Charakterzüge, welche ihn anfangs eher unsympathisch machen. Er ist launisch und gemein und hat sich als Held aufgegeben. Die Sympathie wächst jedoch mit dem Fortlauf der Geschichte immer mehr. Besonders viel Witz bekommt er durch seine jugendlichen Redensarten, welche frischen Schwung in den Animationsfilm bringen und ihn ebenfalls zeitgenössisch wirken lassen. Gemeinsam bieten sie dem Zuschauer ein humorvolles und spannendes Duo, welches das bevorstehende Abenteuer bestreitet und spannend durch den Film führt. Witzige kurze Szenen der kleine Rollen, wie die des Hahns und der kleinen Ferkels, bringen an manchen Stellen den Zuschauer zum Lachen und sind typisch und notwendig für einen gelungenen Diesneyfilm.

Leider ist der Film nichts für die ganze Familie und sollte nicht ab 0 Jahren freigegeben sein. Hin und wieder werden die Zuschauer mit dem Tod konfrontiert, was ein typisches Merkmal für Disney ist, was ich aber eher gut finde, da dieser zum Leben dazu gehört. Dennoch erscheinen mir manche Szenen und Figuren als viel zu gruselig für kleine Kinder. Beispielsweise hat der Dämon Te Ka bei mir für schaurige Momente gesorgt. Oftmals schien es so, dass es für die Hauptfiguren keinen Ausweg mehr gibt und sie damit verloren sind. Für Jugendliche und Erwachsene wird der Film dadurch wirklich spannend, für kleine Kinder denke ich jedoch eher erschreckend.

Alles in allem ist dieser spannende Film ein Genuss und kann sich in der Disney-Reihe sehen lassen, sofern die Jüngsten bereits im Bett sind.

Vaiana – Das Paradies hat einen Haken

USA 2016, 127 Minuten

Regie: Ron Clements, John Musker

Kinostart: 22.12.2016 - in der Kinowoche ab 19. Januar 2017 noch im Cineplex Leipzig, Regina Palast, Cinestar Leipzig und den Passage Kinos zu sehen


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