Andrea Mauer | Drucken01.03.2002 

Aus dem Leben gegriffen

Capus' erzählt einen authentischen Kriminalfall aus den 1930ern

Die spannendsten Geschichten schreibt das Leben selbst. Der authentische Kriminalfall um die Bankräuber Karl Sandweg und Waldemar Velte aus dem Jahre 1933/34 ist Inhalt des neuen Romans von Alex Capus. Zwei junge Männer fliehen nach der Machtübergreifung der Nazis aus Deutschland und suchen den Seeweg nach Indien. Sie überfallen Bankfilialen, töten mehrere Angestellte und bleiben dennoch in Basel, wo sich Waldemar Velte in eine Musikverkäuferin verliebt. Täglich bestellen die beiden Freunde bei ihr eine Tango-Platte und unternehmen zu dritt Spaziergänge, bis die Polizei ihre Spur aufnimmt.

Wie schon bei seinem 1997 erschienen Roman Munzinger Pascha, verwebt Alex Capus reale und fiktive Ereignisse. Das Buch ist ein Puzzle aus minutiösen Fakten, Zeitungsartikeln und Interviews, durchsetzt von erzähltem Geschehen. Der Leser fühlt sich hin- und hergerissen zwischen Abscheu vor den kaltblütigen Morden und Sympathie für die idealistischen Täter.

Fazit: Die klare Sprache und feine Ironie des Autors machen dieses Buch zu einem angenehmen Leseereignis, bei dem allenfalls der häufig wechselnde Erzählstil gewöhnungsbedürftig ist.

Alex Capus: Fast ein bißchen Frühling
Roman, 2002
176 Seiten, 17, 90 €

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