Steffen Lehmann | Drucken15.11.2002 

Das Hörspiel der "Herr der Ringe" klingt wie eine Live-Übertragung aus Mittelerde

Direkter Draht nach Auenland

Das Jahr 3001, Drittes Zeitalter nach der Großen Schlacht. Im Auenland passieren merkwürdige Dinge. Morgoth, der Böse, ist wieder erstarkt und die Schatten seines Reiches Mordor werden länger. Schon bald ist ganz Mittelerde vom Untergang bedroht. Sauron, Statthalter von Mordor und Diener von Morgoth, fordert sein Eigentum zurück: den einen Ring, den Ring der Macht. Unter allen Bewohnern von Mittelerde, den stolzen Elben, den Zauberern, Menschen und Zwergen ist er ausgerechnet dem Hobbit Frodo in die Hände gefallen. Schnell ist klar, dass er allein Mittelerde retten kann. Zusammen mit seinem Freund macht er sich auf den Weg zum Schicksalsberg. Und so beginnen die Großen Jahre...

Tolkien-Fans können sich auf eine einfache Einteilung der Weltbevölkerung verlassen. Für sie gilt: Entweder man ihn gelesen, oder nicht. Noch einfacher ist für sie die Zeitrechung in diesem und dem nächsten Jahr: Jeweils eine Woche vor Weihnachten kommt der zweite und dritte Teil des Herrn der Ringe in die Kinos. Aber auch für die Zeit dazwischen ist gesorgt. Computerspiele, Bücher, DVD etc. bringen Hobbits, Elben und Orks in das heimische Wohnzimmer. Wer sich aber selber auf die Spur von Frodo, Sam und Gandalf machen will, wer in die geheimnisvolle Welt Mittelerdes eintauchen will, der findet mit dem Hörspiel einen perfekten Wegbereiter. Hier wird die große Tradition der Hörspiele lebendig, als das Radio noch nicht die Konkurrenz des Fernsehers zu fürchten hatte und sich Familien vor dem Radio versammelten, um ?Vorlesern? wie dem jüngst verstorbenen Gert Westphal zu lauschen.

Die aufwändige Inszenierung des Hörspiels macht Staunen. Da werden keine Wünsche offen gelassen. Ob Gollums Lechzen nach dem Ring, Theodems galoppierende Reiterarmee oder das Flügelschlagen der Nazguls, Mordors Späher - alles perfekt auf Kassette gebannt. Wie eine Live-Übertragung aus Mittelerde. Die Sprecher haben sich bedingungslos auf den Stoff eingelassen. Man merkt in jeder Sekunde die Begeisterung, mit der sie Tolkiens Meisterwerk gesprochen haben. Das Hörspiel muss sich nicht hinter dem Film verstecken. Nein, sie begegnen sich auf Augenhöhe.

Wenn der zweite Teil der Triologie Die zwei Türme jetzt in die Kinos kommt, dann werden auch Bücher und Kassetten erst einmal beiseite gelegt werden. Doch nicht für lange. Spätestens dann, wenn der Film wieder aus den meisten Kinos verschwunden sein wird, werden wieder die Stimmen aus Mittelerde erwachen. Das ist sicher.

J.R.R. Tolkien: Der Herr der Ringe
der hörverlag, München, 2002
9 Kassetten, Laufzeit 756 Minuten, 49,95 €
Regie: Bernd Lau
Hörspielbearbeitung: Peter Steinbach
Musik: Peter Zwetkoff
Sprecher:
Rufus Beck, Matthias Haase, Hans Peter Hallwachs, Klaus Herm, Edgar Hoppe, Karl Lieffen, Dietmar Mues,
Matthias Ponnier, Ernst Schröder, Manfred Steffen u.a.

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