Steffen Kühn | Drucken20.07.2013 

„Das Beste an Berlin ist der Nachtzug nach Wien“

Fabian Faltin erzählt in seinem Roman „Sag ja zu Österreich“ die Geschichte dreier Auslandsösterreicher in Deutschland und ihre Rückkehr in die Heimat

Fabian Faltin wählt eine spannende Versuchsanordnung, um seine Liebe zu Österreich auszudrücken: Jakob, Conny und Rolf leben im hippen Berlin. Aber mit der Zeit beginnen sie sich immer mehr mit der Frage zu beschäftigen, warum sie eigentlich in Berlin sind und ihr Heimatland Österreich verlassen haben.

Der Autor schildert die drei in ihrer orientierungslosen Lebensphase zwischen 20 und 30, eine Phase, in der sich viele um sie herum grenzenlos ausprobieren und sich in die verschiedensten Fakultäten und Fachrichtungen einschreiben. Aber eigentlich wollen sie nur in Ruhe von der eigenen Kreativität träumen. Ein ständiges Thema ist die finanzielle Abhängigkeit von den Eltern, die man natürlich als extrem belastend empfindet.

Fabian Faltin gibt dieser Milieustudie der Jugend des 21. Jahrhunderts einen Rahmen: die Liebe zu Österreich. Mit viel Verständnis für das zuweilen an Wagenburgmentalität grenzende Festhalten an den Werten des acht Millionen Einwohner „kleinen“ Staates versucht er, zu ergründen, woher und wie das heutige Heimatgefühl der Österreicher entsteht. Menschen und Regionen werden liebevoll mit all ihren Hoch und Tiefs geschildert.

Dabei agiert er an der Grenze zwischen Verklärung und Ironie. Nach Österreich zurückgekehrt, verliebt sich Conny Hals über Kopf in den Installateur Bernhard, einen Tat- und Jetztmenschen. Plötzlich bekommen ein Wasserbett und das Bauen eines Hauses große Bedeutung in ihrem Leben. Die Krönung dieses Plots ist die Geburt der Drillinge Jonas, Jeremias und Justin: Niederösterreich, wo Conny und Bernhard leben, bekommt drei neue Bürger! Sag ja zu Österreich ist ein Buch zuallererst für das Selbstverständnis der Alpenrepublik, wer überdies noch ein Freund der Komik unseres Nachbarlandes ist, kommt voll auf seine Kosten.

Fabian Faltin: Sag ja zu Österreich

Milena Verlag

Wien 2013

258 Seiten – 18,90 Euro


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