Babette Dieterich | Drucken29.11.2002 

Leipzig lockt Frank Bröker

Ein Porträt

Aus Münster kommt er. Seine ersten Eindrücke in der Stadt an der Pleiße hat Frank Bröker acht Wochen lang gesammelt und gleich niedergeschrieben. Logbuch Leipzig heißt das Werk, illustriert von Michael Blümel, ebenfalls Neu-Leipziger. Es erscheint im Dezember 2002 im Verlag Jens Neuling. Dazu gibt's die Single-CD zum Buch, sie enthält zwei Leipzigsongs, die in derselben Zeit entstanden sind. Weitere Querverbindung: Im Backgroundchor wirken Personen des Buches mit, u.a. Volly Tanner. Geplant ist neben einer Buchvorstellung im Rahmen der Leipziger Buchmesse eine Clubtour durch Leipzigs Kneipen mit Lesung, Live-Illustration und Musik.

Vielseitig war Frank Bröker schon in Münster, dort hat er u.a. als Festivalveranstalter, Autor, Musiker, Sozialarbeiter und Drogenberater gewirkt. Vielseitig will er auch in Leipzig bleiben. Und Neues ausprobieren. Er plant, eine Künstleragentur zu gründen, um etwas für die Vernetzung der musikalischen und literarischen Undergroundszene in Ost und West zu tun. Seine Zeitschrift "HÄRTER" gibt er auch weiterhin heraus, sie existiert seit 1996 und erscheint mittlerweile einmal im Jahr. Gerade ist die Nr. 9 fertig geworden und stapelt sich druckfrisch in seinem Arbeitszimmer. Ein Theaterstück ist auch in Planung, und ein Bandprojekt: Genreübergreifend, typisch Bröker eben.

Den offenen Blick des Neuankömmlings hat er nicht abgelegt, zu vieles, das ihn an der neuen Stadt begeistert: "In Leipzig bewegt sich was", meint Frank, als ich ihn in der Küche seiner Altbauwohnung im Zentrum Leipzigs besuche, "Münster bleibt, wie es bleibt." Die Kulturszene reizt ihn, Leipzig ist eine Weltstadt im Westentaschenformat, und das, wie er beinahe pathetisch sagt, "mitten in Europa". Die Nähe zum Osten, die Nähe zu Berlin. Naja, und die Liebe war auch nicht ganz unschuldig, dass es ihn nach Leipzig zog ... "Schwarze Elster der Liebe", heißt so nicht einer der Songs seiner Logbuch-CD?

Auf das Thema "Ossi-Wessi" angesprochen, erzählt Bröker von diversen Erlebnissen im Dienstleistungssektor. Egal, ob im Café oder auf Ämtern, "man wird schnell angepampt hier". Dafür gefällt ihm das langsamere Tempo, alles läuft eher lebens- als leistungsorientiert. Vor allem das gemütliche Chaos der Leipziger Verkehrsführung amüsiert ihn. Die Umleitungen werden mit stoischer Gelassenheit genommen. Und dann diese Sparsamkeit, dieses Mc. Geiz-Syndrom, doch davon mehr im Logbuch Leipzig.

Neben dem Logbuch hat Frank Bröker bereits eine Reihe von Veröffentlichungen aufzuweisen: Schwer Verletzt in der edition MINOTAURUS, Jukebox BRD im Verlag Jens Neuling, zahlreiche Veröffentlichungen in Zeitschriften und auf CDs, Tapes unter dem Pseudonym "Pichelstein" und "Vampstone". Die erste Band gründete er 1989: "Caution Screams". Danach folgten "Fette Helden", "Spark*n bow", "Poets in arms". Punks goes Folkwave und zurück. Insgesamt 5 CDs nebst Vinyl erzählen diese Geschichte. Auch nachvollziehbar unter der Website: http://www.st-groessenwahn.de.

Sowohl musikalisch als auch literarisch will er jetzt die Leipziger Szene aufmischen und freut sich über den guten Nährboden. "Ich hoffe, dass es sich noch mehr mischt", meint er. Dass es irgendwann egal ist, wer von hüben oder drüben kommt. Und dass sich die Künste mischen. Vielseitig sein, genreübergreifend. Weg mit den Mauern zwischen Malerei, Literatur und Musik. Ich glaube, auf einen wie Frank Bröker hat das Leipziger Allerlei nur gewartet.

Kommentar hinzufügen

 
Fügen Sie hier Ihren Kommentar ein:
 
 
 

* Pflichtfeld

 

Tipps

Französische Filmtage

Vive la cinema francaise! Passage-Kinos und Schaubühne Lindenfels feiern vom 22. bis 29. November das französischsprachige Kino.

Westbesuch

Am 2. Dezember von 11 bis 17 Uhr steht das Kultur- und Stadtteilfest Westbesuch an. Diesmal wird es weihnachtlich.

Choreographien der Arbeit

Das Schauspiel Leipzig hat beim Autor Sascha Hargesheimer das Stück "Choreographien der Arbeit" in Auftrag gegeben. Uraufführung ist am 25. November um 20 Uhr in der Diskothek im Schauspielhaus.

EXTRAS

Out of Leipzig

Berichte aus der Hauptstadt und dem Rest der Welt

Friedrich-Rochlitz-Preis

Rückblick auf den Friedrich-Rochlitz-Preis für Kunstkritik 2015. Das nächste Mal findet der Schreibwettbewerb 2017 statt.

Lyrik & Prosa

Gedichte und Erzählungen im Leipzig-Almanach

Jugend-Almanach

Die Extra-Rubrik für junge Autorinnen und Autoren

Jetzt Mitglied werden!

Damit der Leipzig-Almanach nichtkommerziell bleibt, brauchen wir Ihre und Eure Unterstützung. Jetzt Vereinsmitglied werden! Als Dankeschön gibt es einen Kinogutschein.

Newsletter

 

Registrieren Sie sich für den Newsletter des Leipzig-Almanach