Fabian Stiepert | Drucken28.06.2016 

Seitenweise Männerabende

Clemens Meyer und Claudius Nießen haben ein Buch über ihre Leidenschaft für B-Movies geschrieben

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Als literarisch versierter Cineast haben Sie mit Sicherheit die wichtigsten Meisterwerke der Filmgeschichte abgegrast. Ob nun Citizen Kane, Pulp Fiction, La dolce Vita oder Das siebte Siegel, alles brav angeschaut im Programm- oder Heimkino. Aber wie sieht es aus mit der Welt der B- und C-Movies, in denen ganz andere Gesetze gelten als bei den gesitteten Arthousern? Bei Snake Eater, Rambo, Surf Nazis must die oder Die Satansweiber von Tittfield muss der Freund gehobener Filmkunst wohl meist passen.

Die Leipziger Autoren Clemens Meyer und Claudius Nießen (letzterer auch Geschäftsführer des Deutschen Literaturinstituts hier in der Sachsenmetropole) sind zwar im Betrieb der Hochkultur fest verankert, fröhnen aber heimlich den schrottigen Filmchen, die vornehmlich in den 70ern und 80ern in den verrufenen Bahnhofskinos der Bundesrepublik flimmerten. Büchsenbier, Knabber- und Naschkram gehört zu solchen langen Filmabenden selbstredend dazu.

Diese Vorliebe für seichte Filmkost geht bei Clemens Meyer sogar so weit, dass er in der Literatursendung „Lesenswert“ im SWR David Morrells Rambo-First Blood als eins seiner drei Lieblingsbücher präsentierte. Die moderierende Literaturkritikerin und seit kurzem Chefin des Münchener Piper Verlags Felicitas von Lovenberg wirkte merklich irritiert, dass da jemand nicht Proust, Beckett oder andere Granden der Literaturgeschichte vorstellt, wenn man ihn nach den ultimativen Lektüreerlebnissen seines Lebens fragt. Clemens Meyer griff diesen seltenen Moment der Irritation gekonnt auf und wies ausführlich darauf hin, dass Rambo-Erfinder David Morrell immerhin seinen Doktor in Philosophie gemacht hat und an der Universität in Iowa lehrt. So stumpf und gewalttätig kann es beim Söldner John Rambo also gar nicht hergehen, wenn ihn sich so ein Feingeist ausgedacht hat.

Dass Niessen und Meyer Horror-, Action- und Kungfu-Filme lieben, beweisen die beiden Haudegen durchaus unterhaltsam auf knapp 200 Seiten. So ist ihnen kein Bestellvorgang zu kompliziert, um die teilweise bis heute auf dem Index stehenden Meisterwerke wie Ein Zombie hing am Glockenseil in den heimischen DVD-Player schieben zu können. Garniert wird dieses Buddy-Buch mit einer lyrischen Ode auf Steven Seagal, klamaukigen Dialogen der beiden Himmelhunde und massenweise Namedropping von Filmtiteln, die selbst manchem Trash-Freund unbekannt sein könnten (schon mal was von Blood Diner gehört?). Wer trash-affin ist, der greife zu diesem Buch und mache sich ein paar vergnügliche Stunden. Wer wiederum bedingungslos dem anspruchsvollen Film verhaftet ist, der wird trotz literarisch gelungener Passagen, wie der über ein gemeinsam absolviertes Schießtraining im Randgebiet Leipzigs, schnell abgeschreckt sein. Über die Tatsache, dass dieses Büchlein nur ein sehr kleines Publikum ansprechen wird, witzelt das Autorenduo übrigens immer wieder mal. Allein dadurch kann man sich schnell damit abfinden, dass Zwei Himmelhunde offenbar eher als Witz denn als literarisches Zeugnis gedacht sein soll.

Clemens Meyer und Claudius Nießen: Zwei Himmelhunde – Irre Filme, die man besser liest

Voland und Quist

Leipzig 2016

204 S., 18 €


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