Constanze Kretzschmar | Drucken06.01.2007 

Süß und lecker

Die Lektüre der Novelle "Der Glückliche" von Hansjörg Schertenleib lohnt sich

Was ist das schönste Kompliment, das man einem Buch machen kann? Dass es spannend ist? Dass man beim Lesen immer wieder Pausen machen muss, um den vom Lachen schmerzenden Bauch zu massieren? Dass das Buch berührt, die Lektüre mit jedem Satz ein bisschen glücklicher macht?

Es kommt darauf an. Darauf, welche Erwartungen an ein Buch gestellt werden. Bei einem Buch, das Der Glückliche heißt, sind diese wohl, dass es den Leser glücklicher machen soll, und auch ein bisschen klüger, über das Leben und Gefühle, Glück, Unglück, Hass, die Liebe. Diesen Erwartungen entspricht die Novelle von Hansjörg Schertenleib. Federleicht fühlt sich der Leser; federleicht ist auch das Buch, gerade 100 Gramm, also das Gewicht einer Tafel Schokolade, bei doppeltem Zeilenabstand.

Das Buch ist kurz, die Handlung schnell erzählt: This Studer, 50-jähriger Jazztrompeter und Hauptfigur, fährt nach Amsterdam, um dort mit der Band eines Freundes einige Auftritte zu spielen. Das tut er, fühlt sich dabei gut und befreit, verbringt zudem ein paar schöne Tage mit seiner Frau und seinem besten Freund. Dann reist This' Frau ab, er vermisst sie, ist aber trotzdem glücklich. This erzählt in Rückblicken sein schönes, eher unspektakuläres Leben. Auf den letzten drei Seiten passiert etwas, das hier nicht verraten werden soll, dann ist das Buch vorbei. Zurück bleibt ein erstaunter Leser, der sich über das abrupte Ende wundert, darüber, dass die Welt noch da ist, und noch genauso tickt wie vorher. Was hat der Leser erfahren? Die Charakterstudie eines glücklichen Mannes. Sätze wie "Das Glück ist nicht blind. Blind sind die, die es nicht sehen können, die es nicht sehen wollen."

Hat das Buch nun das Kompliment verdient, dass dafür das Größte sein müsste? Dass es den Leser berührt, glücklicher macht? Ja, das hat es. Spannend ist es nicht, laut lachen wird man auch nicht. Aber man wird sich leise freuen. Und noch Tage nach dem Lesen beim Gedanken daran ein bisschen glücklicher sein.

Hansjörg Schertenleib: Der Glückliche
Aufbau-Verlag - Berlin 2005
149 Seiten - 6,95 €
www.aufbau-verlag.de

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