Sebastian Heinz | Drucken26.12.2019 

„Lassen Sie mich Künstler, ich bin durch“

Fatoni schenkte seinen Fans zum Nikolaus ein energetisches Konzert im ausverkauften Conne Island

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Fatoni besuchte das ehrwürdige Conne Island im Dezember (© Jan Philip Welchering)

Es war Freitagabend und das Conne Island rief zum Konzert des Münchner HipHop-Entertainers Fatoni. Da die Show bereits seit Wochen ausverkauft war, überraschte die Schlange an der Garderobe nicht, führte aber trotzdem dazu dass der zugegebenermaßen eher kurze Auftritt des Berliner Rappers Mauli als Voract leider nur aus der Ferne betrachtet werden konnte.

Als man dann endlich seinen Platz vor der Bühne eingenommen hatte, wurde schnell klar, dass das Publikum in Feierstimmung war. Der nur leise vom Band gespielte Prinzen-Hit „Alles nur geklaut“ wurde nämlich schon inbrünstig mitgesungen. Als Intro zum Konzert ertönte dann „Come Together“ von den Beatles und dementsprechend kamen die Fans zusammen.

Fatoni bestritt die Show wie immer mit seinem Dj V.Raeter, wurde aber neuerdings auch durch Filo am Schlagzeug unterstützt. Das Konzert begann mit den Singles des aktuellen Albums „Andorra“ (u.a. „Alles zieht vorbei“ feat. Dirk von Lowtzow) und bestand insgesamt aus Songs aus dem aktuellen sowie dem vorangegangenen Soloalben und dem dazwischen veröffentlichten Mixtape. Soweit so gewöhnlich.

Fatoni und seine Begleitung sind allerdings deutlich zu ambitioniert für einen 0815-Auftritt. Der Münchner – bevor er seine Solokarriere begann immerhin Gründungsmitglied der HipHop-Crew „Creme Fresh“ sowie der bekannteren Brass Band „Moop Mama“ und von 2013 bis 2015 im Ensemble des Theaters Augsburg - hatte neben sehr ausschweifenden Moderationen im Laufe des Abends mehrere Überraschungen parat. So ging er nach cirka sieben Liedern von der Bühne, es folgte ein längeres Schlagzeugsolo an dessen Ende Fatoni am anderen Ende des Raumes auf dem Merchandise-Stand mit akustischer Gitarre auftauchte. Der Merchandise-Stand wurde kurzerhand zur B-Bühne umfunktioniert, die akustische Version von „Lassen Sie mich Künstler, ich bin durch“ wurde gespielt und passend zu diesem Motto crowdsurfte Fatoni vom Publikum getragen zurück zur A-Bühne. Dort ging die Show energetisch weiter, die schon fast obligatorisch gewordenen Mosh-Pits im Publikum durften genauso wenig fehlen wie punkige Stücke von der Bühne („Krieg ich alles nicht hin“) mit Fatoni an der Gitarre und V.Raeter am Bass.

Die nächste große Überraschung kam als Fatoni mit „Übertreib' nicht deine Rolle“ den ältesten Song des Abends spielte und sein langjähriger Weggefährte Juse Ju für die zweite Strophe als Gast auf dem Bühne kam. Und da die gemeinsame musikalische Vergangenheit beider einige Jahre zurückreicht wurden zur großen Freude der Fans gleich mehrere Kollabo-Tracks zum Besten gegeben.

Nach cirka 90 Minuten blieb dem Publikum nichts weiter übrig als nach Zugaben zu verlangen. Es ging also in die Verlängerung und beim Track „Gravitationswellen“ wurde das Publikum für eine „Wall of Death“ in der Mitte geteilt, wobei sich Juse Ju die rechte Seite des Publikums wählte und Fatoni die Linke. Beide kamen ins Publikum und der Rest des Songs war nur noch ein wunderbares Chaos. Mit zwei ruhigeren Liedern und „Hello Goodbye“ der Beatles als Outro ging das Konzert nach gut zwei Stunden zu Ende.

Insgesamt ein stimmungsvoller Konzertabend in einer – bekanntermaßen - wie dafür gemachten Location. Schade ist nur, dass die Spontanität in diesem kleineren Rahmen etwas verloren geht. Die Besucher kennen ja praktisch alle Texte in- und auswendig und so entfalten zum Beispiel die Wortspiele – ein Markenzeichen der Texte von Fatoni - keine überraschende Wirkung mehr, sondern werden von den Fans genauso abgefeiert wie der Rest des jeweiligen Liedes. Schade weiterhin, dass solche Konzerte regelmäßig bereits lange vor dem eigentlichen Termin ausverkauft sind und man sich fast schon Auftritte in größeren Räumen wünscht, auch wenn dies zu Lasten der Stimmung gehen könnte.


Andorratour 2019

Fatoni, Vorband: Mauli

6.12.2019 Conne Island

Weitere Termine u.a.:


27.12.19 MÜNCHEN, MUFFATHALLE

12.03.20 ESSEN, ZECHE CARL

13.03.20 HANNOVER, CAPITOL

14.03.20 MAGDEBURG FEUERWACHE



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