Steffen Kühn | Drucken08.06.2011 

Die Welt zu Gast in Leipzig

Kleine Notiz zum Mahler Festival Leipzig

Leipzig als Mittelpunkt der (Mahler-)Welt – die Protagonisten des Mahler Festivals überschlagen sich in Superlativen: „Aufführung des gesamten sinfonischen Werkes“ , „zehn internationale Spitzenorchester in knapp zwei Wochen“(Andreas Schulz, Gewandhausdirektor), „Leipzig rund um den Globus zum Mittelpunkt des Gedenkens an den begnadeten Komponisten und Musiker macht “(Burkhard Jung, Oberbürgermeister).

Solch ein olympischer Ausspruch war sicher notwendig, um in einer Stadt wie Leipzig die Mittel für solch einen Kraftakt aufzubringen. Das hätte man nie für möglich gehalten, dass sich Leipzig heute mit Städten wie Wien, Salzburg oder Luzern, wo alljährlich die hochdotierten Festivals stattfinden, messen kann. Da kann und muss man wirklich gratulieren und gratulieren kann man, dass neben den Superlativen die künstlerische Qualität nicht gelitten hat. Im Gegenteil: Die meisterhaften Interpretationen und unterschiedlichen Sichtweisen auf Mahlers Werk so dicht nebeneinander und dadurch vergleichbar erleben zu können, war ein großes Glück!

Den Beginn machte der Hausherr selbst. Riccardo Chailly brachte mit einem gewaltigen Chorapparat von über 120 Sängern und Sängerinnen aus dem Rundfunkchor Berlin, dem MDR-Rundfunkchor und dem Gewandhauschor Mahlers 2. Sinfonie zur Aufführung.

Fast neunzig Minuten ließ Chailly sein Gewandhausorchester in den Kosmos der 2. Sinfonie eintauchen. Den ersten Satz der Zweiten, der Totenfeiersatz, konnte man später in einer Frühfassung in der Interpretation des Alt-Leipzigers Fabio Luisi mit dem Concertgebouw Orchestra aus Amsterdam erleben. Faszinierend die unterschiedlichen Sichtweisen, wo sich Chailly schwelgerisch in der Partitur niederlässt, seziert Luisi das Werk in eine an neue Musik erinnernde Transparenz und Trockenheit. Das sind verschiedene Sichtweisen und das ist das Schöne an diesem Festival, dass wohl jeder Geschmack bedient wird.

Zur Halbzeit wurde klar, dass die Kartenverkäufe (innerhalb der letzten Tage wurden noch 3.000 Karten verkauft) weit über den Erwartungen liegen, also haben auch die Leipziger eifrig die Chance genutzt, internationale Spitzenorchester im Gewandhaus erleben zu können, angesichts der für Leipziger Verhältnisse sehr hohen Preise eine nicht vorhersehbare Entwicklung. Mit der achten Sinfonie gestaltet das Gewandhausorchester selbst das Finale, wieder mit einem gewaltigen Chorapparat, hier noch zusätzlich der Gewandhauskinderchor der dem mit so viel Ernst betriebenen Festival am Ende noch eine heiter – fröhliche Note gab.

Mahler Festival Leipzig

17.-29. Mai 2011, Gewandhaus


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